Fazit eines Weltreisenden

Nach 10 Tagen Deutschland komme ich langsam wieder im Alltag an. Ich fange wieder an mich zu ärgern, wenn die nächste U-Bahn erst in 4 Minuten kommt. Regen ist wieder etwas Nerviges geworden anstatt einfach nur ein Umstand zu sein, den ich nehme, wie er kommt – man kann es eh nicht ändern. Die deutsche Bürokratie hat mich ebenfalls wieder eingeholt und meldet sich jeden Tag mit einer kleinen Aufgabe für mich.

Beim ersten Durchsehen der Fotos wurde mir klar, wie wenig verschieden die Orte auf Fotos wirken. Die Fotos wirken alle irgendwie gemäßigt, die schönen Dinge sind nicht mehr atemberaubend, die hässlichen Dinge wirken eher, als müsste man mal wieder mit einem feuchten Lappen drüberwischen, dann geht das schon wieder. Mir fehlt das Gefühl dabei. Mir fehlt es Dinge zu „Mindshoten“, diese Momente, die zu ungreifbar sind, als dass man überhaupt versucht, sie in einem Foto festzuhalten.

Wie auch nach meiner letzten Reise habe ich direkt wieder den nächsten Trip geplant, so als lohne es sich nicht im Hier und Jetzt zu verweilen.

Ich habe noch ein wenig Probleme mich großen Menschengruppen hinzugeben. Parties sind mir momentan zu viel. Zu Hause zu sein ist mir zu wenig. Das ändert sich vielleicht wieder, wenn ich einen echten Tagesablauf habe. Aber ist das dann selbst gewählt oder antrainiert?

Auf der Reise habe ich für mich gelernt, dass ich Schwierigkeiten habe Menschen kennenzulernen – nein, das ist so nicht richtig – ich habe Schwierigkeiten Dinge und Erinnerungen zu teilen mit Menschen, die ich nicht als enge Freunde haben möchte. Ist mir jemand sympatisch teile ich gern. Ich habe nur lieber meine ganz private Erinnerung als meine Vorhaben an jemanden anzupassen, der nur einfach der einzige ist der da ist. Das setzt sich jetzt so ein wenig fort…

Ich konnte schon immer mit Geld gut umgehen, dennoch überrascht mich selbst ein wenig, wie punktgenau ich mein Budget ausgeschöpft habe. Mit viel weniger hätte ich aber auch nicht leben wollen. Ich möchte nicht alle 2 Wochen das Land wechseln und überall auf die wesentlichen Sehenswürdigkeiten verzichten, weil es mir zu teuer wäre. Allerdings, im Nachhinein, bin ich trotzdem froh, so häufig das Land gewechselt zu haben, weil so oft das nächste einfach noch einmal etwas einmaliger und erlebenswerter war als das letzte – was nicht heißt, dass ich ich so eine Reise noch einmal in dieser Form mache. Die nächste große Reise hat wohl eher den Fokus Lateinamerika für mehrere Monate. Diese Reise war so etwas wie „Die lange Nacht der Museen“, ich konnte einmal schauen was mir gefällt und wo ich noch einmal hinmöchte, und was sich eher nicht lohnt. Was mich überrascht? Wie wenig ich eigentlich von der Welt bisher gesehen habe.

weltkarte

Ich habe immer gedacht, man kehrt am ehesten zu dem Kontinent zurück, den man als erstes besucht hat. Allerdings hat mich Südamerika gelehrt, dass es auch noch andere aufregende Orte gibt.

Was ich gelernt habe? Ich habe gelernt, mit wenigen Dingen zu leben. Die Hälfte meiner Habseligkeiten liegt noch immer in Kisten verpackt im Keller. Ich habe keine Vorstellung, was sich darin befinden. Was immer es ist, ich habe es weder in den 6 Monaten der Reise, noch in den wenigen Tagen danach vermisst. Ich habe gelernt, dass Struktur und Ordnung überbewertet wird. Manchmal gibt es keine Ampeln, kein warmes Wasser, kein richtiges Bett und die Welt dreht sich trotzdem.

Was ich vermisse? Mir fehlt die Tatsache jeden Tag etwas Neues zu sehen – obwohl ich das mit etwas Mühe wohl auch in Berlin weiterführen könnte – mit offenen Augen durch die Welt gehen und mich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen – aber es ist eine Herausforderung.

Mir fehlen die offenen Menschen auf der Welt. Die Tatsache, dass man jeden wildfremden westlich aussehenden Menschen auf der Straße anlächelt, hallo sagt. In Berlin lebt irgendwie jeder in seiner eigenen kleinen Welt.

Mir fehlt die Welt….

MfG u.s.w.
Andy aka Yps

Geschrieben am 26.03.2014 von Yps in Reise | 2 Kommentare |

Bolivien – oder Peru die 2.

Wenn ein Land auf meiner Reise zu kurz kam, dann war es ganz sicher Bolivien.

Bin mit dem Nachtbus von Cusco nach Copacabana gefahren. Gegen 7 Uhr Umsteigen in einen Minibus, der bis zur Grenze fuhr. Hinter der Grenze gabs dann einen weiteren Minibus für die letzten Kilometer nach Copacabana. Hat aber alles reibungslos funktioniert.

Copacabana ist sehr touristisch. Der Strand ist zum Baden äußerst ungeeignet aber voll mit Bars und Restaurants. Darüber hinaus gibt es eigentlich nur eine interessante Straße und ein paar Ruinen in der Umgebung (zumeist auf Bergen), die aber alle äußerst zustört sind und wenig an ihren Ursprung erinnern lassen.
Berge sollte man bei einer Starthöhe von 4000 Metern ernst nehmen. Hatte vom Busbahnhof gut 200 Meter (Distanz) zu überwinden und musste auf halben Wege pausieren.

Nach Sonnenuntergang werden in Copacabana die Bürgersteige hochgeklappt. Viele Touristen verbringen eine Nacht auf der Isla del Sol, was aber nur eine weitere Insel ist.

Da mein Hauptgrund hierher zu fahren die Uros Inseln, die schwimmenden Inseln im Titicacasee waren, diese aber nur von Puno aus erreichbar sind, gings am Folgetag zurück nach Peru. Im Bus gabs einen Tour Guide, der gleich alle abgefangen hat, die auf den Inseln oder irgendwo hin weiterreisen wollten. Daher hatte ich 0 Eigenorganisation.

Die Islas de los Uros sind ziemlich einmalig, bei allem was ich schon gesehen hab. Jedes Tourunternehmen scheint seine „eigene“ Inselgruppe zu haben, so dass man, bis auf die Restaurant-Inseln, nur kleine Gruppen antrifft. Ob die Inseln noch heute wirklich bewohnt sind ist fraglich, dennoch interessant, auf welche Ideen Menschen bei der Wahl ihres Lebensraums kommen und wie man auch auf reinen Schilfinseln Ackerbau und Viehzucht betreiben kann.

islas_de_los_uros

Puno ist ein Ort, durch den man von Bolivien kommend quasi durchgeschleust wird. Man kann ohne Probleme in Copacabana übernachten, die Uros Inseln mitnehmen und am selben Tag den Nachtbus nach Cusco nehmen. Es gibt auch so richtig keinen Grund in Puno zu bleiben. Von Peru ist das leider nicht so einfach.

Ich wollte eh nach Bolivien zurück. Das wird nach der Tour recht knapp, da der letzten Touristenbus gegen 14:30 Uhr fährt. So wurde ich vom Tour Organizer in den Localbus nach Yunguyo, dem letzten Ort auf Seiten Perus gesetzt. Der Bus sah auch so aus, als hätte er auf mich gewartet. War gegen 18:30 Uhr an der Grenze, so dass ich Peru tatsächlich noch am selben Tag verlassen konnte. Leider hatte das bolivianische Immigration Office schon geschlossen, so dass ich am Folgetag noch einmal zur Grenze musste, meinen Eingangsstempel holen (und zum peruanischen Immigration Office, um den Ausgangsstempel aktualisieren zu lassen).

La Paz ist auf den ersten Blick nicht sonderlich schön, entfaltet sich aber mit der Zeit. Die Stadt liegt mitten in einem Tal, umgeben von Bergen. Im Hintergrund sieht man schneebedeckte Berge. Erlebenswert sind die versteckten Dinge, wie der Hexenmarkt. Touristisch oder nicht, dieser Ort ist speziell. Von Kräuterchen, die einem vom Alkohol abbringen sollen bis zum getrockneten Lima-Fötus ist alles zu bekommen. Entwas speziell sind auch die Leute, die sich als Zebras verkleidet auf den Zebrastreifen stellen, um den Verkehr zu regulieren.

Ein wenig entfernt in Richtung Peru – nein, ich habe die Grenze an diesem Tag nicht nochmal überschritten – liegt der Ruinenkomplex von Tiahuanaco. Die Tempel sind verhältnismäßig gut erhalten für Bolivien, wenn auch kein ganz großes „Wow“.

tiahuanaco

Wem das zu langweilig ist, der kann die Death Road, die angeblich gefährlichste Straße der Welt, mit dem Mountainbike hinunterfahren. Je nach Preis und Veranstalter kann das zwischen recht kontrolliert bis ziemlich gefährlich sein. Vielleicht das nächste Mal, wenn ich im der Gegend bin.

Bolivien braucht eine Weile, bis man sich hier eingelebt hat, ist aber äußerst vielseitig und hat viele Sehenswürdigkeiten, die über die bekannten Tempel/Berge/Gewässer hinaus gehen, z.B. die Salzwüste bei Uyuni, wofür ich aber mindestens 3 weitere Tage benötigt hätte.

In Bolivien schlägt das Wetter weger der großen Höhe schnell um. Temperatur ist hier sehr relativ. Man kann sich hier bei 10 Grad einen Sonnenbrand holen und gleichzeitig erkälten. Es gibt aber auch tropische Teile, in denen man konstant über 25 Grad hat.

Bolivien hat vielleicht nicht die bekanntesten Sehenswürdigkeiten, ist aber deutlich mehr als einfach nur ein Durchgangsland zwischen Peru, Brasilien und co.

MfG u.s.w.
Andy aka Yps

Geschrieben am 18.03.2014 von Yps in Reise | 0 Kommentare |

Peru – Zwischen Wüste und Meer

Lima
Lima als Stadt gewinnt, wie viele andere Städte in Peru, keinen Schönheitspreis. Lima hat aber einen historischen Stadtkern, besonders sehenswert um den Plaza Mayor und der San Francisco Kirche herum.

plaza_mayor_lima

Unbedingte Must Do’s sind ein Besuch der Katakomben von San Francisco. Wer dann noch Zeit hat, sollte ein Ausflug nach Mariflores oder Barranco machen. Beide Stadtteile sind etwas wohlhabender als der Stadtkern und voller gemütlicher Bars und Restaurants. Außerdem gibt es Strände, auch wenn diese nicht unbedingt zu den schönsten der Pazifikküste zählen.

Sobald man Lima Stadt verlässt, sieht man viele Orte, die schwer unter Erdbebeneinfluss stehen. Einige ländliche Siedlungen sehen aus, als wären sie nach einem Erdbeben sich selbst überlassen worden.

Interessant ist aber dennoch der Wechsel der Natur. Während der Norden noch eher von Regenwald bedeckt ist, stehen Teile des Südens unter Wüsteneinfluss. An der Küste treffen Berge und Strand (Lima), oder eben Wüste und Strand (Paracas) aufeinander. Beeindruckend sind aber auch die Gegensätze abseits der Küste.

Huacachina
Die Oase Huacachina liegt mitten zwischen an die 100 Meter hohe Dünen. Huacachina ist eine Oase der Ruhe. Es gibt hier nicht viel zu tun, also kann man den ganzen Tag mit Buggy fahren, Sandboarden oder Dünen rauf- und runterklettern verbringen. Dazu gibts noch die Lagune zum Baden. Damit ist man auch eigentlich einen guten Tag ausgelastet. Am Nachmittag kommen die ganzen Tagestouren an, dann wird es ein wenig belebter. Nach Sonnenuntergang reisen diese aber in Kolonne wieder ab, so dass die Bars und Restaurants nicht übermäßig voll sind. Die meisten Reisenden verbringen nicht mehr als eine Nacht hier. Wer nach Lima etwas Ruhe braucht, kann aber noch eine 2. Nacht dranhängen.

huacachina

Es gibt in Huacachina nur einen Geldautomaten, der angeblich oft leer ist. Hatte aber keine Probleme – nachdem meine Kreditkarte wieder entsperrt war.

Nazca
Nazca hat weit mehr zu bieten, als nur die berühmten Nazca Linien. Man schafft aber dennoch die wesentlichen Sachen in 1-2 Tagen abzudecken.

Nazca war die erste Stadt in Peru, die nicht komplett nach Erdbeben aussieht. Die meisten Bilder, die man im Internet findet, sind aber nicht sehr vielversprechend. Die Zahl der Touristen, die in Nazca bleiben ist auch dementsprechend gering.

Things to do:
Ein Flug über die Nazca Linien. Der Flug kostet um die 75 Dollar + Airport Tax von 25 Soles. Einige der Linien sind recht schwer zu erkennen. Da die Linien ein 2000 Jahre altes Relikt sind und einmalig auf der Welt, gibt es hieran aber kein Vorbeikommen.

Acueductos de Cantalloc
Der Aquedukt ist ein altes unterirdisches Bewässerungs System, erbaut von den Nazca. Interessant zu sehen, wie man mit etwas Fantasie auch in der Wüste überleben kann.

Cemetery Chauchilla
Hierbei handelt es sich um einen uralten Friedhof. Die Körper wurden nach dem Tod mumifitiert und sind auch heute noch recht gut erhalten. Die vielen Knochen, die überall aus dem Boden ragen sind gespenstisch.

Cusco
Cusco ist eine Stadt, die man gesehen habe muss. In wenigen Orten in Peru sind traditionelle Kultur und Tourismus so eng verzahnt. Zudem ist die Stadt wohl die schönste in ganz Peru, vielleicht in ganz Südamerika.

cusco

Der Stadtkern von Cusco ist voll mit Kirchen und Museen, wiele Gebäude sehen aus, als wären sie noch aus der Kolonialzeit.

Besonders interessant ist das Inca Museum, da hier viel über die Geschichte der Inca, den Lebenraum der einzelnen Gruppen und deren Errungenschaften erklärt wird.

In der Umgebung von Cusco befinden sich eine Reihe Ruinen, da ich mich auf Machu Picchu konzentrieren wollte, habe ich mir aber nur Saksaywaman angeschaut, die dem Zentrum nähestgelegene.

Von Cusco sollte man eine der vielen Touren nach Machu Picchu nehmen. Von 1 bis 4 Nächte, von Zelt bis Hotel wird alles angeboten. Habe mich für den Jungle Trac entschieden, auch da der „originale“ Inca Trail schon ausgebucht war. War aber eine gute Entscheidung, zumal Extra Aktivitäten wie Rafting und Ziplining angeboten werden. Die Route ist definitiv nicht die schönste, die ich je gemacht hab. Es geht eher darum durchzuhalten und sich Machu Picchu zu verdienen. Höhepunkt ist wohl der einstündige Anstieg nach Machu Picchu selbst. Man kann die Strecke auch mit dem Bus fahren. Das hat mir aber der Stolz verboten.

Machu Picchu ist wow! Die Ruinenstadt der Inka gehört definitiv zu den Highlights meiner Reise.

machu_picchu

Neben den Ruinen kann man vor Ort auch noch mehrere Berge besteigen. Einige davon müssen vorab gebucht werden, da die tägliche Besucherzahl limitiert ist. Habe den „langweiligen“ kostenlosen Berg genommen, auch weil ich mich vorab nicht ausreichend informiert hab. Ist aber vollkommen in Ordnung. Zumal die Ruinenstadt selbst eh aufregender ist. Hatte zudem Glück, dass gegen Mittag die Touristenströhme durch einsetzenden Regen hinausgespült wurden und Machu Picchu am Nachmittag sehr leer war. Ganz frühes Aufstehen lohnt sich nur bedingt, da vom Sonnenaufgang in der Regel nicht viel zu sehen ist.

 

Die Regenzeit sollte man in Peru ernst nehmen. Erdrutsche können Zeitpläne durcheinander bringen. Bin selbst einen Tag auf unbestimmte Zeit bei einer der heißen Quellen gestrandet – nicht der schlimmste Ort zum Verweilen. Die Räumkomandos sind aber überraschend schnell.

Kulinarisch ist das Land gewöhnungsbedürftig. Viele Gerichte gibt es mit Pommes + Reis und viel Koriander. Ceviche und Mollejas (Kalbsmagen) sind gar nicht mein Ding. Es gibt aber dennoch ausreichend viele gute Sachen.

Peru war schon vor der Reise einer meiner vermeintlichen Höhepunkte. Das Land hat sich aber selbst übertroffen. Peru ist sehr sicher und kulturell interessant, die Menschen sind hilfsbereit und offen. Busreisen gibt es zwischen sehr billig und sehr komfortabel. Peru ist eines der abwechslungsreichsten Länder, das ich je gesehen hab. Ein absolutes Must Visit!

MfG u.s.w.
Andy aka Yps

Geschrieben am 10.03.2014 von Yps in Reise | 0 Kommentare |
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